Thomas Marthaler

Daten

*31.03.1929 Zürich, +13.11.2020

Instrumente

Klarinette Schwyzerörgeli Kontrabass

Biografie

Klarinettist, Bassist und Schwyzerörgeler, beruflich seit 1963 als Privatdozent am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich tätig. Durch seinen Titel eines Professors, den er seit 1969 trägt, nimmt er zweifelsohne eine Sonderstellung unter den aktiven Volksmusikanten ein. Als Sohn eines Zahnarztes in Zürich aufgewachsen, befasst er sich seit dem sechzehnten Altersjahr hauptsächlich mit dem Klarinettenspiel, das er zuerst durch Selbststudium erlernt hat. Nach Verlauf eines Jahres gelangen ihm bereits die beiden ersten Eigenkompositionen, die Polka «Abigrot am Montalin» und der Walzer «Fiedelchratzer», zwei später auf Schallplatte Columbia aufgenommene Titel. Musikalischen Umgang pflegte er zunächst mit dem Schwyzerörgeler Goldie Merker, bis dieser 1947 in die USA auswanderte. Seit 1946 beschäftigte er sich ausserdem mit Klavierstudien an der Musikakademie, die er hernach am Konservatorium seiner Heimatstadt fortsetzte. Damit trat er in die Fussstapfen seiner Mutter, die ein fünfzehnjähriges Klavierstudium durchlaufen hatte. Im Mittelpunkt seiner pianistischen Studien stand bis 1950 das Klavierwerk von Johann Sebastian Bach. 1948 war er zufällig mit Musikern aus Jazzkreisen in Berührung gekommen, die in ihm die Freude am traditionellen Jazz weckten. So spielte er denn von 1950 bis 1953 unter dem Studentennamen «Sabu» in der damaligen «Porridge Brass Band», mit der er 1953 am Nationalen Jazz-Festival in Zürich den 2. Preis holte. Anschliessend an ein berufliches Studienjahr in den USA leitete er von Ende 1954 bis zur Fasnacht 1957 mehrere kleinere JazzFormationen, indem er sich auch als Saxophonist, Pianist und gar als Banjospieler versuchte. Indessen hatte sich die Wende bereits am Zürcher Uni-Ball des Jahres 1955 angekündigt, als Marthaler zu dritt mit Josias Jenny und Benedikt Holzer, Bass, erstmals unter der vom Musikkritiker Gerold Fierz vorgeschlagenen Bezeichnung «Zoge am Boge» auftrat und sich so zusehends für die ältere Ländlermusik entschied. Dieser Kern des 1957 zum Quintett erweiterten Kreises von Traditionalisten brachte seine erste Schallplatte 1956 heraus. Hinzugeselh hatten sich ab 1957 Emil Wydler und der Örgeler Noldy Heusser, während Holzer in Leon Nencki seinen Nachfolger fand. «Zoge am Boge» vertraten ferner ab 1958 der Örgeler Rudolf Wittwer, der Heusser ablöste, und von 1960 an der Bassist Andreas Jenny, der den Platz von Nencki einnahm. Löste Marthaler bereits mit dieser von den Fachleuten und Massenmedien begeistert aufgenommenen Formation ein breites Echo aus, so war er von 1960 bis 1964 nicht weniger als Talentsucher erfolgreich. Mit Rees Gwerder, Sepp Huber und Karl Barmettler (Ennetmoser Huismusig) hatte er in der Tat auf drei verborgene Talente gesetzt, die erst durch seine Förderung und seine Verbindung, die er zum Schallplattenproduzenten Walter A. Wettler herstellte, die verdiente breite Anerkennung fanden. Von kürzeren Unterbrüchen abgesehen, genoss Marthaler seit Anfang der sechziger Jahre Klarinettenunterricht durch erstklassige Lehrkräfte wie Karl Fanghänel, Hansjörg Leuthold usw. vom Konservatorium Zürich. Ausgezeichnete Leistungen hat er ferner als Bassist und Schwyzerörgeler erbracht. Einen Neubeginn machte er 1980, als Josias Jenny aus gesundheitlichen Gründen ausfiel und sich damit die Zeit der Kapelle «Zoge am Boge» erfüllt hatte. Unter dem Namen «Ländlerkapelle Thomas Marthaler» spielen seither der Leiter, 1. Klarinette, Ueli Mooser, 2. Klarinette, Sepp Huber, Schwyzerörgeli, und Sepp Bleiker, Bassgeige. Der in Zürich lebende Hochschullehrer, der sich zu Geisser, Lott, Märchy und Lenz Majoleth bekennt, hat bisher rund 100 unverlegte Tänze geschaffen und an die 30 Ländlerweisen auf Schallplatten aufgenommen.

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