Walter Wild
Daten
*31.12.1908 Schlieren ZH, +29.03.1962 ZürichInstrumente
AkkordeonBiografie
Seine künstlerische und berufliche Laufbahn verlief in zwei Abschnitten, in dem des Interpreten und in jenem des Komponisten sowie Verlegers. Als derjenige des Musikschaffenden und Geschäftsmannes sich auszuweiten begann, endete jener des gefeierten Handorgelvirtuosen. Als jüngstes von zwölf Kindern einer mittellosen Familie in Schlieren aufgewachsen, wo sein Vater Alfred Wild bei der Waggonfabrik als Portier arbeitete, begeisterte er sich von klein auf für die Handharmonika. Dies ging so weit, dass er noch im Vorschulalter ein Griffbrett bastelte, Knöpfe darauf malte und die fehlenden Töne mit seiner Stimme nachahmte. Als er achtjährig sein erstes Schwyzerörgeli erhielt, kannte sein Eifer kaum noch Grenzen. Gleichermassen angetan von den mannigfachen Möglichkeiten seines Instrumentes wie von den heimatlichen Volksmusikklängen, erreichte er durch angeborenes Talent sowie Fleiss und Beharrlichkeit, ohne Kenntnis der Notenschrift und regelmässigen Unterricht, binnen kurzem eine Fertigkeit, die aufhorchen liess. Er ging noch zur Schule, als er in einem Schlieremer Gasthof erstmals für Geld musizierte und hernach jede Gelegenheit zum Aufspielen wahrnahm, bis die Schulbehörde sein wiederholtes Fernbleiben vom Unterricht nicht länger duldete und ihm das öffentliche Musizieren kurzerhand verbot. Inzwischen war er dem Akkordeonvirtuosen Gottfried Stucki begegnet, der sein Musiklehrer wurde und ihm als Gegenwert für das Ersparte eine chromatische Handharmonika überliess. Alsbald wagte er sich an Wettspiele heran, schnitt dort auf Anhieb, mehrmals mit Auszeichnungen in Gold, erfolgreich ab und lernte nunmehr auch Noten lesen. Nach Schulende ging der meist fröhlich gestimmte Jüngling zum Zürcher Handorgelbauer Heinrich Hess in die Lehre, wo er nicht nur einen verständnisvollen Meister fand, sondern obendrein viele erstrangige Musikanten antraf, deren Wissen und Können er sich zunutze machte. Es war die Zeit seiner ersten grösseren Konzerte zusammen mit den «MoserBuebe», die alsbald ohne ihn nach Amerika zogen, nachdem Lehrmeister und Eltern seine Ausreise nicht gebilligt hatten. Nach Beendigung der Lehre betätigte er sich beruflich sogleich als selbständiger Handharmonikalehrer und -händler, 1927 in Zürich-Altstetten, noch im selben Jahr in Wald ZH und ab 1930 wieder in Zürich, an der Langstrasse 11. In Wald kam es auch zur Gründung der Kapelle Walter Wild, und als die «MoserBuebe» aus Amerika zurückgekehrt waren, fuhr er mit ihnen zu Konzerten nach Paris. Im Mai 1928 wurde er abermals von der «Jodel- und Musikkapelle Gebrüder Moser, Biel» («Moser-Buebe») verpflichtet, wobei er den ganzen Monat im damaligen Grossrestaurant St.Annahof an der Züricher Bahnhofstrasse auftrat. Die Ankündigung lautete, dass Walter Wild, Handharmonikavirtuose, die Konzerte mit Einzeleinlagen verschönern werde. Zu dieser Zeit spielte er mit seiner Kapelle oft auch in der Zürcher «Ländlerhochburg» «Konkordia». Hier lernte er seine spätere Frau, die Wirtstochter, Pianistin und Akkordeonistin Martha Wild kennen, die viele Texte zu seinen volkstümlichen Schlagern verfasste. Die erste, bereits damals auf Schallplatte aufgenommene Walter-WildKomposition, den «Eckstein-Walzer», schrieb er im Alter von achtzehn Jahren. Diese und andere, rasch aufeinanderfolgende Stücke vervielfältigte er anfänglich auf einem einfachen Gerät im Keller des Konzertlokals St. Annahof, worauf er sie von Wald aus verschickte. Um 1933, nach seinem Umzug an die Zürcher Langstrasse, gewann seine Verlagstätigkeit schnell an Bedeutung. In rascher Folge erschienen nun eine Menge volkstümlicher Stücke sowie Werke der Unterhaltungsmusik für Handharmonika, Akkordeon und Klavier, von ihm selbst und von anderen Musikern komponiert. Die höchsten Verkaufsziffern erreichten seine Eigenkompositionen, von denen viele, darunter «Guete Sunntig mitenand», «Grüss mir Lugano» usw., während zwei Jahrzehnten überaus populär waren und die oft schon heute fälschlicherweise dem Volksgut zugerechnet werden. Die kurzen, aber um so einprägsameren Kehrreime entstammten meist der Feder von Fredy Schulz (:~ 1897), Zürich. Anfangs der vierziger Jahre verlegte Wild sein Geschäft an die Flössergasse im Selnauquartier. Mit den eingängigen, oft oder ganz dem Swing verpflichteten Melodien eines Artur Beul, Teddy Stauffer, Buddy Bertinat, Robert Barmettler usw., die er, begünstigt durch den Ausfall an Schlagerimporten während der Kriegsjahre, hier herausbrachte, erreichte der Verlag seinen Höhepunkt. Er beschäftigte jetzt zahlreiche Mitarbeiter, darunter auch den Akkordeonisten Christian Hartmann. Von 1956 bis zum Jahr 1962, als Wild mit vierundfünfzig Jahren in Zürich verstarb, befand sich das Unternehmen in Zürich-Oerlikon; die Verlagsproduktion umfasste bis dahin nahezu 1500 Ausgaben. Seit 1971 setzt die Akkordeonvirtuosin Heidi Squindo-Wild in Stäfa das Lebenswerk ihres Vaters fort. Wild, der zusammen mit allen damaligen Grössen der Ländlermusik musiziert hatte, war ein Mensch und Künstler von starker Ausstrahlung. Mit seinem kompositorischen und verlegerischen Wirken hat er drei Jahrzehnte lang die Schweizer Unterhaltungs- und Volksmusik nachhaltig beeinflusst.Objekte