Karl Barmettler

Weitere Namen
Übername: Ägerte-KariDaten
*24.11.1915 Ennetmoos NW, +4.11.1995 Ennetbürgen NWBeruf
LandwirtInstrumente
AkkordeonOrte
Ennetmoos, Nidwalden, SchweizBiografie
Wo ist die Person aufgewachsen? Wo war ihr örtlicher Lebensmittelpunkt? Auf dem Bauernhof Ägerten in Ennetmoos, deshalb der Name „Ägerte-Kari“, wuchs Kari auf. Beruf konnte er keinen erlernen und so arbeitete er schon früh auf dem elterlichen Hof und im Sommer auf der Alp. Später übernahm er den Hof und bewirtschaftete ihn bis zu seinem Lebensende. Gelernte(s) und verwendete(s) Instrument(e)? Kari spielte hauptsächlich auf seiner 75-bässigen Halbwiener-Eichhornorgel. Zur Abwechslung verwendete er aber auch ein zweichörige Cis-Orgel und ein Miniörgeli. Warum wollte die Person Volksmusik spielen? Schon als kleiner Bub machte er Bekanntschaft mit den Örgeli und brachte sich, begeistert wie er davon war, das Spiel grösstenteils autodidaktisch bei. Wann erste/letzte öffentliche Auftritte? 1932 hatte er als 17-Jähriger mit seinem um drei Jahre jüngeren Bruder Noldi an der Hochzeit von Walter Rengger im damaligen Gasthaus Allweg seinen ersten Auftritt. 1934 kaufte er sich dann mit seinem selbst verdienten Geld eine 75-bässige Eichhorn-Halbwiener-Orgel, die er zeitlebens spielte. Kari war noch mit 80 Jahren sehr rüstig und spielt noch regelmässig. Wäre er nicht durch einen Unfall auf seinem Bauernhof ums Leben gekommen, hätte er sicher noch viele Jahre mit seiner für ihn typischen auffälligen Spiellust weitermusiziert. Seine Musik lebt heute vor allem im Ennetmooser Volksmusikverein weiter. Das Gründungskapital war das Kirchenopfer, das an seiner Beerdigung aufgenommen wurde. Der Verein bemüht sich ganz besonders darum, die alten Ennetmooser-Tänze, und insbesondere die von Kari, wieder unter die Leute zu bringen. Dazu haben sie verschiedene Notenbände herausgegeben, die man über die Website http://volksmusikverein-ennetmoos.ch beziehen kann. Mit wem zusammengespielt? Besetzung? Namen der Formation(en)? Kari Barmettler spielte in erster Linie in seiner Formation „Ennetmooser Huismuisig“, die früher auch unter dem Namen „Huismuisig im Ägertestübli“ auftrat. Sein Bruder Noldi spielte dabei Violine, Noldi Fluri Kontrabass und Kari Schwyzerörgil. Nach Noldis frühem Tod übernahm Leo Barmettler den Geigenpart. Später kamen die beiden Hergiswiler Robert Schmidiger und Bärti Keiser mit ihren Krienser Halszithern dazu. Damit war die für die Innerschweiz sehr untypische Besetzung komplett. Vorbilder? Karis Repertoire lässt vermuten, dass Rees Gwerder, Betschart Alois (s’Pytsche Wysel) aber auch Ländlermusikanten wie Köbi Buser und Hermann Lott zu seinen Vorbildern zählten. Besonderheiten im Repertoire? Gibt es z.B. bevorzugte Komponisten, Taktarten? Kari überzeugte vor allem mit seinem rhythmisch sauberen Spiel von typischen Innerschweizer Tänzen in allen traditionellen Taktarten. Auch ein paar wenige Ländler-Fox hatte er im Repertoire. Besonderheiten in der Spielart? Gibt es z.B. eine bevorzugte Stilart (z.B. Illgauer-, Berner-Stil, konzertante Musik, Stimmungsmusik usw.)? Wurde mehrheitlich vorgespielt oder begleitet? Er spielte im temporeichen Innerschweizer Stil und beherrschte als sehr routinierter Spieler sowohl das Vorspielen als auch den Akkordbegleit. Nur selten spielte er eine zweite Stimme zu den Geigenstücken von Leo. Kari wartete vom einen zum nächsten Stück jeweils kaum den Applaus ab und war auch zu später Stunde bis ins hohe Alter kaum zu bremsen. Seine Mitspieler nicht weniger. Sein Griffbrett, das - wohlverstanden - mit widerstandsfähigem Zelluloid belegt war, hatte rund um die meist gespielten Knöpfe vom vielen Gebrauch tiefen Mulden. Nicht selten jodelte er auch zu einem geeigneten „Gsätzli“. Bei welchen Anlässen ist man mehrheitlich aufgetreten? Mit seiner Ennetmooser Huismuisig spielte Kari an unzähligen Anlässen aller Art. Die aussergwöhnliche Besetzung war auswärts eher noch gefragter als im Kanton Nidwalden selbst. So spielte die Huismuisig öfter im „Rietberg“ in Zürich und Kari löste dort mit seinem engagierten Spiel grosse Begeisterung aus. Oft spielte Kari auch alleine oder im Duo, z.B. beim Ennetmooser Theater oder später in Altersheimen. Gibt es Auftritte, die einen besonderen Stellenwert haben? Kari hatte mit seiner Ennetmooser Huismuisig mehrere Radio- und Fernsehauftritte, z.B.: 1944 Radiosendung mit Sagen und Geschichten von Marie Odermatt-Lussi 1964 Fernsehaufnahmen „Für Stadt und Land“ 1975 Fernsehaufnahmen „Für Stadt und Land“ 1990 Fernsehsendung „Direkt aus Ennetmoos“, in der er bereits mit seine Grosskindern Andrea (Violine) und Andreas (Chlefeli) spielte. Gibt es Eigenkompositionen? Kari werden 26 Kompositionen zugeschrieben. Die Kompositionen leben von dieser schlichten Einfachheit und schönen Melodik, wie sie den alten Innerschweizer Tänzen eigen sind. Selbstverständlich tauchen darin immer wieder bekannte Wendungen auf, die andere auch schon mehrfach verwendet hatten, aber das war ihm nicht so wichtig, Hauptsache er konnte eine Melodie dann so spielen, wie sie ihm gefiel und wie er sie auch im Griff hatte. Als dann das Notebüchlein entstand, lebte der „Komponist“ bereits nicht mehr und man wusste von den zum Glück auf Tonband vorhandenen Aufnahmen nicht mehr so ganz genau, ob das jetzt Eigenkompositionen sind oder nicht. Gibt es Tonträger oder Radioaufnahmen? 1965 Erste Plattenaufnahmen mit den damals neuen Musikkollegen Robert Schmidiger und Bärti Keiser. 1973 Plattenaufnahmen mit dem Jodlerklub „Echo vom Pilatus“ Hergiswil. 1978 Plattenaufnahme 40 Jahre Ennetmooser Huismuisig. Diese Informationen wurden im Rahmen des Projekts "Die instrumentale Unterwaldner Volksmusik-Landschaft" erarbeitet.Objekte