Hubert Camenzind

Daten

*30.03.1919 Gersau SZ, +21.11.1989 Bönigen BE

Instrumente

Klarinette Saxofon

Orte

Gersau, Schwyz, Schweiz Bönigen bei Interlaken, Bern, Schweiz

Biografie

Hubert Camenzind, dessen Familie vom «Strick» stammte, wuchs in einfachen Verhältnissen in Gersau auf. Die ersten Lebensjahre verbrachte er mit seinen Eltern auf der Rigi-Scheidegg, ehe sie mit Beginn seiner Schulzeit ins Dorf zogen. Nach Schulaustritt begann er mit 14 Jahren in einer der Gersauer Seidenspinnereien zu arbeiten. Durch zielstrebiges Sparen bei einem 14-täglichen Sackgeld von zwei Franken konnte er sich nach einiger Zeit seinen Wunsch erfüllen und für 14 Franken eine ältere Klarinette erwerben. Im Alter von 17 Jahren wurde er durch ein Mitglied der Feldmusik Gersau ins Klarinettenspiel eingeführt und eiferte seinem Vorbild Jost Ribary senior nach. Bereits im selben Jahr – man schrieb das Jahr 1936 – durfte er an der Chilbi im Restaurant «Susten» im urnerischen Meiental seinen ersten öffentlichen Auftritt als Ländlermusikant feiern. In der Folge war er mit verschiedenen Musikanten da und dort am Musizieren. In diesen Jahren entstanden auch die ersten seiner insgesamt rund 160 Eigenkompositionen. Camenzind war einer der ersten Ländlerklarinettisten, der das so genannte «Böhm-System» spielte. Der grosse Umbruch in Camenzinds Leben kam im Juni 1945. Damals suchte der Interlakner Akkordeonist Ernst Zwahlen kurzfristig via Zeitungsinserat einen Bläser für ein Monatsengagement im damaligen Luzerner Volksmusiklokal «Gotthardloch». Er bekam den Posten und aus diesem einen Engagement wurden insgesamt rund zehn Jahre, in denen er mit Zwahlen und seiner Kapelle als Berufsmusiker tagtäglich in den damals einschlägigen Lokalen in Bern, Zürich, Basel usw. aufspielte. Durch sein Mitwirken in dieser Berner Formation verlegte er 1951 seinen Wohnsitz vom Vierwaldstättersee an den Brienzersee, nach Bönigen bei Interlaken. Nach Aufgabe der Berufsmusik fand er bei der Mühlen AG in Interlaken eine Stelle als Magaziner, war aber nebenbei weiterhin als Ländlermusikant im Einsatz. Zahlreichen bekannten Berner Oberländer Formationen wie «Alpengruess Frutigen» (Lorenz Giovanelli), dem «Echo vom Blausee» von Victor Gaggioli, Fritz Mosimann, «Balmerbuebe» unter der Leitung von Walter Balmer senior und vielen weiteren, stellte er sein Können zur Verfügung. Zusammen mit diesen Kapellen kehrte er während vielen Jahren immer wieder zu Engagements an der Gersauer Fasnacht in seine alte Heimat zurück. Im Laufe der Jahre bekam er einige wenige Gelegenheiten, seine Tänze auf Schallplatten festzuhalten. So entstanden Aufnahmen mit den Kapellen Zwahlen, «Berner Mutze» sowie «Alpengruess Frutigen». Nebenbei erteilte er Klarinettenunterricht. Gesundheitliche Gründe zwangen ihn 1975, sich vom aktiven Musizieren zu verabschieden. Umso eifriger betätigte er sich nun als Komponist. Seither ist sein Name in der Volksmusik-Szene in Vergessenheit geraten. Seine bekanntesten Titel sind etwa der heute noch oft gespielte Schottisch «Schwyzergeischt» oder der Blasmusikmarsch «Fest im Schritt», der gar von der päpstlichen Schweizergarde-Musik auf Schallplatte verewigt wurde. Hubert Camenzind, dessen Ehe kinderlos blieb, starb am 21. November 1989 in Bönigen an den Folgen seiner langjährigen Diabetes-Erkrankung. (mit freundlicher Genehmigung des Autors Pius Ruhstaller, Gersau, 8. April 2019)

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