Kapelle Huserbuebe

Daten
Gegründet 1939Biografie
Schon für die Eltern der beiden Huserbuebe, Franz und Frieda Huser-Storrer, war die Musik ein ständiger Begleiter. In einem Restaurant lernte Franz seine spätere Lebenspartnerin Frieda kennen. Franz war noch in der Rekrutenschule, als die Hochzeitsglocken läuteten. Im Militär komponierte der Volksmusikant Fränzel seinen wunderschönen Walzer „Mamma“. Am 9. März 1916 bekam Frieda zu ihrem Franz noch ein Fränzli und 1918 erblickte Friedeli das Licht der Welt. 1919 folgte Trudi und 1921 der spätere Akkordeonvirtuose Anton, genannt Tony. 1924 kamen noch Gritli und Rosi hinzu. 1932 kam Ideli auf die Welt, von der ganzen Familie nur „Pupi“ genannt. Die Musik lag allen Husers im Blut, und so entstand vorerst ein Duett, dann ein Trio und ein Doppelquartett bis zum stattlichen Familienorchester. Frieda sorgte während den Wirtschaftskrisenjahren nicht nur für ihre Kinder, sondern musizierte auch mit ihrem Mann. Sie war ein richtiger Wandervogel, sodass das Huser-Orchester später auch als „Wandervögel“ unterwegs war. Als die Kinder erwachsen wurden, heirateten die Mädchen bald, und aus dem Trudi Huser wurde ein Trudi Böckli, eine erstklassige Jodlerin. Insgesamt 19 Enkel erfreuten Franz und Frieda. Bald erkrankte der „Handorgelkönig“ Franz schwer und starb im Alter von erst 58 Jahren. Jetzt war es für Mutter Huser ein Trost, dass sich Franz und Tony zusammentaten und als „Huserbuebe“ die Leute mit ihrer Musik erfreuten. Bei ihnen tauchte sie immer wieder auf, ergriff die Bassgeige und spielte, schwenkte, drehte und klopfte auf ihrem Instrument so, dass der ganze Saal vor Vergnügen kreischte und frenetischen Beifall zollte. Frieda war die erste, die mit Gitarre und Bassgeige während des Spiels Schabernack trieb und das Publikum begeisterte. Später imitierte sie Paul Moser von den „Moserbuebe“, Aschi Dietrich von den „Masimas“ und Rico Peter von den „Liricos“ authentisch. 1979 konnte man die 83-Jährige noch im Schweizer Fernsehen bewundern. Als sie Paul Kuhn nach einer Sendung im Deutschen Fernsehen fragte, was sie in ihrem langen Leben am meisten gefreut habe, meinte sie: „Am glücklichsten bin ich darüber, dass ich den besten Musikanten als Ehemann bekommen habe. Und froh macht mich, dass alle meine Kinder und Enkel Freude an der Musik haben.“ Glücklicher wäre sie zwar gewesen, wenn die beiden Huserbuben Franz und Tony ein Musikstudium hätten abschliessen können. Dennoch durften beide mit ihrer Ländlerkapelle eindrucksvolle Erfolge feiern, die in die Geschichte eingingen. Franz Huser (1916 – 1992) blies bereits mit neun Jahren bei öffentlichen Anlässen die Klarinette in der elterlichen Kapelle, deren Kern seine Mutter am Bass und der Vater am Akkordeon bildeten. Erworben hatte Franz seine musikalischen Fähigkeiten bei den Eltern, durch die er als Siebenjähriger im Stegreifspiel unterrichtet worden war. Dank seinem Talent erreichte er auch mit anderen Instrumenten ohne Notenkenntnisse respektable Leistungen – am Akkordeon und Schwyzerörgeli, an der Klarinette und am Saxophon. Unter seiner Leitung war die Kapelle von 1934 bis 1939 mit bis zu neun Familienmitgliedern unterwegs. Zwischendurch versuchte Franz sein Glück als Formation „Franz Huser“ mit erstrangigen Musikern wie Kasi Geiser, Godi Burlet, Ueli Martinelli und anderen bekannten Interpreten. 1939 gründete er mit seinem Bruder Tony im Zürcher Niederdorf die Ländlerkapelle „Huserbuebe“, die ein halbes Jahrhundert zu den Spitzenformationen der Ländlerszene zählte. Mit den „Huserbuebe“ spielten später Alois Brühweiler, Albert Buser, Hans Frey, Heiri Hartmann, Fredy Hauser, Walter und Kari Kaiser, Föns Lustenberger, Ueli Mooser, Martin Nauer, Hermann Schorno und andere. Nach dem Tod von Mutter Frieda Huser stand Schwester Trudy Huser am Kontrabass. Unter Franz Husers Eigenkompositionen blieb wohl die „Schwyzerörgeli-Polka“ bis heute ein Hit. Sein Bruder Tony (1921 – 1990) wurde als Akkordeonist, Klarinettist und Saxophonist bekannt, spielte anfänglich auch in der Familienkapelle, später bei den „Huserbuebe“ als Akkordeonist. Seine rassigen Schottisch-Melodien „Lackaffe“ und „Im Sheraton z’Tel Aviv“ erklingen noch oft am Radio. Franz Husers Sohn Markus spielt sein musikalisches Talent nicht nur bei einer Dixielandband aus, sondern auch in der Ländlerformation „Huserbuebe“, so ganz nach dem Zitat von Ludwig van Beethoven „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“. Ob diese verschiedenen Stilrichtungen identisch sind? Bestimmt ergänzen sie sich gut. Auch für Markus Huser hat die Musik im Leben einen hohen Stellenwert, und deshalb hat er sich nicht nur als vielseitiger Musiker einen Namen gemacht, sondern tritt neuerdings auch als Produzent unter dem Label „Huser Records“ in Erscheinung. Ernst A. Meyner - VolksmusikredaktorObjekte