Hermann Michel

Weitere Namen
Übername: Oberschild HermiDaten
*08. 05. 1943 St. Niklausen OWBeruf
Knecht, Hilfsarbeiter, Vorarbeiter, KranführerInstrumente
Kontrabass SchwyzerörgeliOrte
Kerns, Obwalden, SchweizBiografie
"Wo ist die Person aufgewachsen? Wo war ihr örtlicher Lebensmittelpunkt? Hermi wuchs auf dem Bergheimet Oberschild (im Schild, St. Niklausen) auf. Bis er 30 Jahre alt war, half er seinem Vater in der Landwirtschaft und war im Sommer immer z Alp. Im Winter, wenn es zu Hause nicht soviel zu tun gab, verdiente er ein paar Fränkli als Hilfsarbeiter. Als Hermi 30 Jahre alt war, verkaufte sein Vater das Bergheimet und zog nach Kerns ins neue Haus von Karl. Hermi lebte auch noch dort, bis er im Sommer 1978 im Boll, Kerns sein eigenes Haus erwarb. Mit seiner Frau Agnes hat er drei Kinder, die die musikalischen Gene geerbt haben: Armin (Klavier), Heidi (Klavier) und Anita (Jodeln). Armin und Heidi spielten schon bei bekannten Formationen mit. Gelernte(s) und verwendete(s) Instrument(e)? Er lernte Schwyzerörgeli (vor allem in der Anfangsphase seiner musikalischen Laufbahn) und spielte später ausschliesslich Bassgeige. Warum wollte die Person Volksmusik spielen? Seine ersten musikalischen Gehversuche machte er (als 16-Jähriger) auf der Handorgel seines Stiefbruders Karl Abächerli (ein bekannter Akkordeonist), der auch im Oberschild aufwuchs. Sowohl Karl wie auch sein Vater Sigi sahen Hermis musikalische Begabung. So schenkte ihm sein Vater (auf Anraten seines Bruders Karl) zum 16. Geburtstag ein Schwyzerörgeli. Sein Stiefbruder motivierte ihn und zeigte ihm die Grundbegriffe: Vorspielen und die Handhabung der Bass-Seite. Das Spielen hat er sich aber mehrheitlich selber beigebracht. Er übte fleissig weiter und eignete sich ein Repertoire von über 60 Tänzen an. So hat es Hermi auch gepackt und der «Ländlervirus» liess ihn nicht mehr los. Sein Stiefbruder Karl hatte eine Zeit lang die Bassgeige von s Windlibalzä Leo bei sich zu Hause im Oberschild. Hermann packte dann heimlich die Geige aus und probierte, die Begleitung zu spielen. So übte er regelmässig. Eines Tages kam Karl früher nach Hause und überraschte seinen Bruder Hermann beim Bassgeigenspiel. Karl war sehr erstaunt, wie Hermi die Bassgeige beherrschte und ermunterte ihn, fleissig weiter zu üben. Um sein Spiel zu verbessern, holte er sich einige Tipps beim bekannten Volksmusik-Bassisten Oskar della Torre senior. Die Harmonielehre und die einzelnen Griffe brachte er sich grösstenteils selber bei. Hermi entwickelte auf der Bassgeige eine eigene Grifftechnik, die er sehr präzise beherrscht. Er versteht es wie kein Zweiter, den Ländlermelodien den so wichtigen „Boden“ zu geben. Das Musikgehör hatte er ja schon beim Schwyzerörgelispiel unter Beweis gestellt. Bald kaufte er sich die erste eigene Bassgeige. Karl hatte ihm das Geld geborgt. Mit den Gagen, die er mit Engagements einspielte, bezahlte er mit der Zeit das Geld zurück. Durch das intensive Üben am Bass, verbunden mit vielen Auftritten als Bassist, musste er leider bald das Schwyzerörgeli vernachlässigen. In welchem Alter, wo, bei wem gelernt? Zuerst spielte Hermi Schwyzerörgeli, als er 16 Jahr alt war. Das Spielen hat er sich selber beigebracht, sein Bruder Karl hat ihm ein paar wertvolle Tipps gegeben. Später lernte er als Autodidakt Bassgeige, Oski della Torre zeigte ihm die wichtigsten Grundbegriffe. Wann erste/letzte öffentliche Auftritte? Den ersten Auftritt hatte er mit seinem Bruder Karl und Dönni Sepp, an der Älperchilbi im Melchtal, ca. 1959. Schnell wurde man in der Ländlerszene auf den versierten Bassgeiger aufmerksam und er hatte die Möglichkeit, in verschiedenen Formationen mitzuspielen. Es ist zu hoffen, dass Hermi der Volksmusik noch lange erhalten bleibt und die Formationen mit seinem Bass-Spiel unterstützt. Mit wem zusammengespielt? Besetzung? Namen der Formation(en)? Hermi hat mit unzähligen Formationen zusammengespielt, weil sein Bass-Spiel sehr gefragt war/ist. Hier eine unvollständige Aufzählung: • Handorgelduett Abächerli-Dönni • Kernser Gruess • Obwaldner Gruess • Kapelle Sunnähüsli Alpnach • Ländlerkapelle René Jakober • Ländlerkapelle Walliman-Gerig • Handorgelduett Gebrüder Gerig • Handorgelduett Gebrüder Bissig • Echo vom Horben • Clemi mit syna Buäbä • Handorgelduett Michel-Durrer • Handorgelduett Walti Gerig-Turi Schuler • Schwyzerörgeliduett Burch-Berchtold • Mandolinos Baar • Bärgrösäli-Muisig • Kapelle Edelweiss • Ländlertrio Berchtold-Wallimann • Obwaldner Ländlertrio • Huismuisig Truttmann • Kapelle Röbi Odermatt • Handorgelduett von Flüe-von Flüe • Echo vom Hittlidach • Luzernerbuebe • Echo vom Schafband • Ländlerquintett Bergluft • Er begleitete oft die Ländlermesse «Paxmontana» von Heidi Bruggma Vorbilder? Seine Schwyzerörgeli-Vorbilder waren Kappeler-Gasser. Oski della Torre war sein Vorbild fürs Bassgeigenspiel. Besonderheiten im Repertoire? Gibt es z.B. bevorzugte Komponisten, Taktarten? Neben seinen Eigenkompositionen hat er als Schwyzerörgeler vor allem Kompositionen von Obwaldnern wie Burch Sepp, Peter Berchtold gespielt. Als Bassist ist er so versiert, dass er neben der Volksmusik in allen Taktarten auch die moderne Stilrichtung begleiten kann. Besonderheiten in der Spielart? Gibt es z.B. eine bevorzugte Stilart (z.B. Illgauer-, Berner-Stil, konzertante Musik, Stimmungsmusik usw.)? Wurde mehrheitlich vorgespielt oder begleitet? Er spielt mit der Ländlerkapelle gerne den konzertanten Innerschweizer Stil und liebt auch Stücke, die ihn harmonisch fordern. Hermi kennt keine Noten und spielt alles nach Gehör. Als Schwyzerörgelispieler hat er mehrheitlich vorgespielt (konnte selbstverständlich auch begleiten) und liess sich inspirieren von Kappeler-Gasser, Rees Gwerder und Martin Nauer. Bei welchen Anlässen ist man mehrheitlich aufgetreten? Ländlermusikfeste, Stubeten, Ländlermusiktreffen, Fasnacht, Älplerchilbi, Jodlerabende, Hochzeits- und Familienfeste, öffentliche Anlässe, Kreuzfahrt, Radio und Fernsehen. Es gab Jahre, da bestritt er bis zu 100 Engagements. Hermi hat seit 1973 alle seine Engagements (Formation, Ort, Gage) aufgeschrieben. Es sind schon mehr als 4'000 Auftritte geworden. Das war nur möglich, weil seine Frau Agnes ihn unterstützte. Hermi beschloss mit 75 Jahren ein wenig kürzer zu treten und musste deshalb schon Auftritte absagen. Das Schwyzerörgeli kam ja dann, weil er musikalisch als Bassist unterwegs war, zu kurz. Wer weiss, vielleicht packt es Hermi wieder aus und beginnt vermehrt, auf dem Örgeli zu spielen? Gibt es Auftritte, die einen besonderen Stellenwert haben? Hermi durfte im Verlaufe seiner musikalischen Karriere vier Mal an Mittelmeer-Folklore-Kreuzfahrten teilnehmen. Gibt es interessante, lustige Episoden aus dem musikalischen Leben? Dönni Sepp suchte für einen Geschäftsanlass im Restaurant Seeblick Hergiswil NW (Hüsli) im Januar 1972 noch einen Musikanten. Nach langem Hin und Her sagte Hermi zu. Dieser Auftritt war für Hermis weiteres Leben sehr entscheidend. Im Hüsli arbeitete eine junge, hübsche Serviertochter, Agnes Arnold. Sie hätte eigentlich frei gehabt und war für eine Kollegin eingesprungen! Hermi fand Gefallen an Agnes und wollte nach dem Auftritt gar nicht mehr nach Hause gehen. Sepp Dönni musste ihn mehrmals zum Aufbruch drängen. Nach diesem denkwürdigen Auftritt war Hermi noch oft im Hüsli anzutreffen! Im Jahre 1973 führte Hermi seine liebe Agnes zum Traualtar. Hermi ist sicher nicht der einzige Volksmusikant, der seine Frau an einem Auftritt kennengelernt hat! Auszeichnungen? Ehrungen? Gewonnene Preise? Hermi ist der einzige aktive Ländlermusikant, der alle eidgenössischen Volksmusikfeste besucht hat (von 1971 in Sargans bis 2015 in Aarau). Bei der 10. Teilnahme in Stans wurde er speziell geehrt. Auch 2019 in Crans-Montana wird er dabei sein. Gibt es Eigenkompositionen? Sind Noten vorhanden? Hermi hat acht Eigenkompositionen geschrieben. Sie sind im Musikverlag Josef Fanger (Muisig us der Heimet, Ausgabe Nr. 46) erschienen: • Der Oberschilder (Schottisch) • Mim Fraueli (Polka) – auf Tell-Record TLP/TK 5007 • Im Alpeblick z’St. Niklausen (Polka) auf Helvetia TLP/TK 225 • Bim Dönni Sepp (Ländler) • Achtung Glatteis (Schottisch) auf Tell-Record TLP/TK 5007 • Ur dr Nünalp (Ländler) • Im Muiggäloch (Schottisch) auf Tell-Record TLP/TK 5240 • Ä gmiätlichä Abig (Schottisch) Gibt es Tonträger oder Radioaufnahmen? Die Polka „mim Fraueli“ von Hermi kann verwendet werden. Bei dieser Aufnahme spielt Hermi Schwyzerörgeli und Bassgeige, an der Handorgel spielt Walti Gerig, am Klavier Isabelle Schürmann. Gibt es Fernseh- oder eigene Filmaufnahmen? Im Verlaufe seiner musikalischen Karriere sind etwa 15 Fernsehauftritte und Radiosendungen zusammengekommen. Er trat vor allem in den Sendungen „Für Stadt und Land“, „Hopp dä Bäsä“ und „Potzmusig“ auf." Diese Informationen wurden im Rahmen des Projekts "Die instrumentale Unterwaldner Volksmusik-Landschaft" erarbeitet.Objekte