Otto Held

Daten

*20.5.1877 Territet VD, +18.12.1979 Montreux VD

Instrumente

Trompete

Biografie

Trompeter, Dirigent. Seine Eltern George Held und Antonie Reichstadt, waren Deutsche, denen kurz nach seiner Geburt das Bürgerrecht von Montreux zuerkannt wurde. Aufgewachsen in Territet, erhielt er mit acht Jahren seine erste Violine. 1889, im Jahr der «Ffites des Vignerons», stellte er als Zwölfjähtiger unter Mithilfe einiger Kollegen seine erste Kapelle zusammen, besetzt mit Violine, Trompete, Kontrabass und Klavier. Gespielt wurde klassische wie auch volkstümliche Musik. Nach der Aufnahme in das Collfige von Vemex trat er dort der Schülerblasmusik bei, die ihn bald darauf zu ihrem Leiter bestimmte. 1891 holte ihn mit erst vierzehn Jahren die Musikgesellschaft «Lyre de Montreux» als ersten Trompeter in ihre Mitte, was den Anfang einer sechzigjährigen Zugehörigkeit zu diesem Korps bedeutete. Mit jugendlichem Eifer setzte er sich nachfolgend für das Vereinsleben ein, indem er u.a. in Territet einen Turnverein gründete und 1893 die Musikgesellschaft «L'Union instrumentale de la Veraye» (später Territet) ins Leben rief. Hatte er sich schon mit fünfzehn Jahren auch in der Komposition versucht, so schrieb er nun als Achtzehnjähriger seinen ersten Marsch für die «Lyre de Montreux».' Entstanden ist dieser Erstling in Zürich, wo Otto Held während der Lehrzeit als Möbelschreiner sein Deutschschweiz-Jahr absolvierte. Als Zitherspieler nimmt er 1900 an der Pariser Weltausstellung teil und bereist danach Frankreich und Belgien. Nach Montreux zurückgekehrt, dirigiert er eine Mandolinenereinigung und den Chor des Turnvereins Montreux-Ancienne. 1910 ernennt ihn die «Lyre», die er an manche Wettspiele, ja bis nach Paris begleitet, zum Vizedirigenten. In den kommenden Jahren wird seine Neigung zur Ländlermusik mehr und mehr offenkundig. Da führen eine Klassenzusammenkunft und ein Einfall des Gemeindepräsidenten von Chätelard, Paul Ku~s, zur Gründung der «Musique de Hu~moz», worin sich ab 1920 zur Pflege der Volksmusik fünf seiner Musikkameraden, darunter Thöni und Vuagniaux, um Otto Held versammeln. Und obwohl keiner der Mitspieler aus Hu~moz, dem kleinen Waadtländer Bergdorf, herkommt, gewinnen sie rasch viele Anhänger in Ollon und den umliegenden Orten, wie noch im selben Jahr am Comptoir Suisse in Lausanne. Schallplatten mit Tänzen von Otto Held, aufgenommen mit der «Musique de Hu~moz» in Genf und Paris, rufen der Westschweiz die eigene Volksmusik ins Gedächtnis. Mit dem Chor «Chanson de Montreux» stattet die Gruppe London einen Besuch ab. Die «Lyre», die er von 1931 bis 1933 präsidiert, beruft ihn 1933 zu ihrem Dirigenten. Er leitet sie in der Folge mit solcher Umsicht, dass ihm weitere Musikvereine, wie jene von Monthey, Martigny und Sion, die Führung anvertrauen. Nach seinem Rücktritt als Leiter der «Lyre» im Jahr 1947 wird er 1948 mit dem Ritterorden von Frankreich ausgezeichnet, worauf er 1950 noch den Chor «Cécilienne de Villeneuve» am Comptoir und an dessen Jahreskonzert dirigiert. An unzähligen Musikfesten amtierte Otto Held als Kampfrichter, wobei er immer auch für die Handorgel ein grosses Interesse bekundete. Diese war ihm Sinnbild der volkstümlichen Musik, der er noch dann und wann mit 95 Jahren (!) als Bassist seiner «Musique de Huémoz» verpflichtet war. Ein feines Empfinden, das er in kleinen, einfallsreichen und einfachen Tonstücken auszudrükken verstand, zeichnete den Volksmusikkomponisten Otto Held aus. Dies verraten schon die Titel seiner rund 450 Melodien: «La Charmeuse», «Finette», «Souvenir de Pèlerin», «La fine goutte de Dézaley». Mit der letztgenannten Komposition verdiente er sich schliesslich die breite Anerkennung seines Heimatkantons, nachdem sie zur Erkennungsmelodie für die beliebte Sendung von Radio Lausanne «Quart d'heure vaudois» ausersehen worden war. Mochte auch die Musik im Dasein des im biblischen Alters von 103 Jahren verstorbenen Ehrenbürgers von Hu~moz und von Montreux oft berufsmässige Züge annehmen, so kümmerte er sich nicht weniger um das Familienunternehmen. Ihm hielt er als Kunstschreiner noch mit neunzig Jahren die Treue.

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