Jakob "Alders Jock" Alder

Weitere Namen
Spitzname: Alders Jock Variante: Alders JokDaten
*23.05.1915 Hundwil-Grundhalde AR, +06.04.2004 Herisau ARBeruf
Musiker AussendienstmitarbeiterInstrumente
Hackbrett Geige Klavier Orgel Bratsche Akkordeon Kontrabass CelloOrte
Hundwil, Appenzell Ausserrhoden, Schweiz Herisau, Appenzell Ausserrhoden, SchweizBiografie
Jakob Alder (1915 - 2004) wurde in der „Wees“ Hundwil geboren; sechs Jahre später übersiedelte die Familie in die „Grundhalde“. Sein Vater Johannes Alder war Geiger in der zweiten Generation der „Aldere“ aus Urnäsch; von ihm erhielt Jock mit sieben Jahren den ersten Violinunterricht. Er lernte zuerst nach einer Violinschule, spielte bald aber Tänze nach Gehör. Mit zehn Jahren begann er autodidaktisch Klavier zu spielen, mit 15 Jahren kam das Cello dazu, und im gleichen Alter stand der junge Jakob bereits als Musikant mit auf der Bühne. Als 20-jähriger erhielt Jakob Alder aus der Familie ein Hackbrett, welches Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden war. Auf diesem Instrument spielte er sein ganzes Leben lang, es galt als eines der besten Hackbretter seiner Zeit. Die Stimmung übernahm er – mit individuellen Abänderungen – vom Hackbrettspieler der Urnäscher Streichmusik, Emil Zimmermann. Die Fertigkeit auf dem Instrument eignete er sich selber an; Jakob Alder gilt als der virtuoseste Hackbrettspieler seiner Generation. Jakob Alder erlernte neben den schon erwähnten Instrumenten auch Bratsche, Kontrabass, Blechblasinstrumente, Kirchenorgel und Akkordeon und bildete sich so zu einem Musikanten von seltener Vielseitigkeit aus. Theoretische Ausbildung erhielt er an Blasmusikdirigentenkursen in St. Gallen. Er spielte in vielen verschiedenen Formationen mit und war auch als Aushilfsmusikant sehr gefragt. Seinen ursprünglich erlernten Beruf als Handweber führte er bald nicht mehr aus, einzig die Tätigkeit als Weinvertreter schätzte er noch lange als Nebenerwerb. Während seine Kollegen „s Uufmache“ als Freizeitbeschäftigung betrieben, widmete sich Jakob Alder hauptberuflich der Musik. So trat er nach seinem Ausscheiden bei der Urnäscher Streichmusik ab 1947 mit seinen eigenen Kapellen, der „Appenzeller Ländler und Hackbrettkapelle Jakob Alder Hundwil“ und der „Original Appenzeller Streichmusik Jakob Alder Hundwil“ auf, daneben spielte er u.a. in den Formationen „Alpegruess Brülisau“ und „Alpstein Appenzell“, nach 1979 in der „Streichmusik Bänziger Herisau“ und ab 1986 in der Streichmusik „Edelweiss“ Herisau, wo die Brüder Jakob und Albert Düsel tonangebend waren. In Inner- und Ausserrhoden war Alders Jock ein geschätzter, zuverlässiger Musikant, der über ein nahezu vollständiges Streichmusikrepertoire verfügte. Mit allen Formationen hat Jakob Alder auf zahlreichen Tonträgern diverse Eigenkompositionen eingespielt; oft war er auch für Radio- und Fernsehaufnahmen gefragt. Musikauftritte führten ihn u.a. nach England, Deutschland, Holland, Österreich, Frankreich und Korea. Neben seinen Auftritten – im Durchschnitt dreimal pro Woche – unterrichtete Jakob Alder rund zwanzig Schüler, die er einmal im Monat bei sich zu Hause (ab 1975 in Herisau) empfing. Er war ein bedeutender Hackbrettlehrer; eine ganze Generation versierter Hackbrettspieler wurde in Jakob Alders Stil, Repertoire und Begleittechnik ausgebildet. Jakob Alder hat seine eigenen Stücke immer wieder abgeändert und verfeinert, deshalb sind von vielen Melodien mehrere Fassungen überliefert. In seinen letzten Spieljahren wurde ihm vor allem das Cello lieb. Der Vater seines Cousins Erwin Alder hatte auf einem fünfsaitigen Cello gespielt, das mit einer zusätzlichen, hohen E–Saite versehen war. Dieses System übernahm er; es bietet für den Gebrauch in einer Appenzeller Streichmusik grosse Vorteile, da man besser die Begleitmelodien ins Spiel einfliessen lassen kann. Jakob Alder galt denn auch als routiniertester Appenzeller Musikant für Begleitinstrumente. Seine ausgesprochen gehörfälligen Walzer, Polkas, Schottisch und Märsche gehören heute zum Standardrepertoire vieler Hackbrettler. Dank seinem hervorragenden Musikgedächtnis hat er auch zahlreiche alte Tänzli und Zäuerli notiert, die ohne ihn wahrscheinlich in Vergessenheit geraten wären. Für seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Volksmusik und der Nachwuchsförderung erhielt Jakob Alder im Jahre 1996 den Anerkennungspreis der Margrit-Bohren-Stiftung.Objekte