Walter Hofer

Daten

*4.3.1920 Bern BE, +16.10.1983 Bern BE

Biografie

Geboren und gestorben ist Walter Hofer in Bern, heimatberechtigt in Biglen BE. Der musikbegabte Schneidermeister veröffentlichte Anfang der Fünfzigerjahre seine ersten Duettliedchen wie unter anderem „O Müetti“, „Dr Bänz“, „Myni Glogge“, „Gruess vo’r Flueh“, usw., die bald einen grossen Liebhaberkreis fanden und sich durch einen eigenen, persönlichen Stil auszeichneten. Wenn diese oft eigenwilligen Melodien von andern Jodlern vorgetragen werden, hinterlassen sie beim Zuhörer vielfach einen etwas süsslichen Eindruck , dies ist dann aber meistens weniger der Komposition als der übersentimentalen und kraftlosen Vortragsweise vieler Jodler zuzuschreiben. Walter Hofer betätigte sich auch auf dem Gebiet der instrumentalen Volksmusik und als Dirigent verschiedener Jodlergruppen, u.a. des JK „Alpenrösli“ Münsingen. Er schrieb auch für diese Gattungen einige Kompositionen. Aus dem Tonträger „üse Mälcher u d’Chöchi“, Kommentar von Katrin Hasler im Juli 1982: „Weisst du noch“, meinte Hans Rüegsegger einmal zu Walter Hofer, „damals, als wir vor einem Auftritt in einer Wirtschaft der Köchin in der Küche ein trauriges Liedlein sangen und sie sich mit dem Abwaschlappen die Tränen aus dem Gesicht wischen musste?“ Solche und andere Episoden liegen 30 und mehr Jahre zurück - und die beiden freuen sich heute noch genauso darüber wie damals. Angefangen hatte das Ganze 1949 in Bern im Jodlerklub „Maiglöggli“. Alle drei – Ernst Rüedi, Hans Rüegsegger und Walter Hofer - sangen in diesem Klub mit. Weil Walter Hofer zudem gut „handörgele“ konnte, schalteten sie einmal eine Extraprobe ein und versuchten im Duett zu jodeln. Ihre Gefühle, die beiden Stimmen würden gut zueinander passen, täuschten sie nicht: Mit regelmässigen Proben wurden sie bald einmal zum gefragten Markenzeichen der Schweizer Jodlergeschichte; das Jodelduett Rüedi-Rüegsegger war an volkstümlichen Anlässen nicht mehr wegzudenken. Wesentliches dazu beigetragen hat Walter Hofer. Anfänglich sang das Duett Lieder von Ummel, Fellmann, Grolimund usw., bis Walter Hofer selbst zu komponieren und zu texten begann. Eines seiner ersten Lieder war „Mis erschte Lied: Ha immer gärn ghört singe, gross isch d Fröid am Jutze gsy, sälber hets nie wölle gglinge, ha geng dänkt, das chönni nid“. Oder „Fyrabestund“. Die ersten Lieder waren heiter und lustig, die späteren traurigen Gemüts wie zum Beispiel dasjenige, welches noch heute bei den meisten Rüedi-Rüegsegger-Freunden hoch im Kurs steht: „O Müetti“. Immer wieder wurde dieses Lied bei ihren Auftritten verlangt, und der bekannte Jodelliederkomponist Paul Müller-Egger erklärte Walter Hofer auf seine Frage, wieso wohl gerade dieses Stück beim Publikum so gut ankomme: Er habe die richtigen Worte gefunden, die manch einer gerne aussprechen würde, aber nicht wisse wie. Bei der Melodie habe er einfach den „Volkston“ gefunden. Und das war auch bei mehreren anderen Liedern Walter Hofers der Fall, denken wir z.B. an „Dr Bänz“, „Üse Mälcher u d Chöchi“ oder an „D Nachtbuebe“. Ihr Erfolg ist wohl auf ihre Natürlichkeit, ihre ungekünstelte Art und auf ihre gesangliche Ausgeglichenheit zurückzuführen. Ihr Singen kam von Herzen und ging zu Herzen. Eines ist sicher: Das Jodelduett sowie Walter Hofer als Begleiter und Komponist waren eins, eine Harmonie, auf die manch einer hätte neidisch werden können. Ernst Rüedi wie Hans Rüegsegger besassen eine rasche Auffassungsgabe, und so war für sie das Lernen von neuen Liedern Walter Hofers – es waren um die 50 – keine enorme Anstrengung. Sie besprachen die Lieder miteinander und verteilten untereinander die 1. und 2. Stimme; im Jodel- wie im Liedteil wechselten sie ständig ab. Immer wieder habe es bei den Zuhörern geheissen: Der Rüegsegger singt die 1. und der Rüedi die 2. Stimme! „Dabei war es oft gerade umgekehrt“, verriet Hans Rüegsegger einmal mit schalkhaftem Lachen. „Wir haben einfach jedes Lied ausprobiert, wie es für beide Stimmen am schönsten tönen würde.“ 16 Jahre - von 1949 bis 1965 - waren die drei zusammen und an unzähligen volkstümlichen Anlässen landauf, landab zu hören und zu sehen. Jeder wollte die Lieder, die auf kleinen Schallplatten erhältlich waren, nicht nur ab Tonträger, sondern auch direkt von ihnen in Natura geniessen können. Und so kam es, dass sie jeweils auf der Bühne ein „Wunschkonzert“ gaben. 1965 dann fanden sie es an der Zeit, sich vom aktiven Singen zurückzuziehen. Wer hätte gedacht, dass sie heute – weitere 16 Jahre danach – immer noch aktuell sind, dass man immer noch vom Jodelduett Rüedi-Rüegsegger spricht? Ihre Freude und Genugtuung über vergangene Zeiten können sie nicht mehr zu dritt teilen, denn Ernst Rüedi ist 1970 gestorben. Von ihm sagen die Kollegen: „Er war eine Frohnatur, konnte immer lachen, selbst wenn wir uns mal über etwas ärgerten.“ Ernst Rüedi nahm eben alles von der leichten Schulter. Wenn der 61-jährige Hans Rüegsegger heute noch (1982) aushilfsweise Jodlerklubs leitet, so tut er dies aus Freude und aus Kenntnis der Materie. Walter Hofer aber, heute 62-jährig (1982), schreibt keine Lieder mehr. „Wozu auch?“, frage er sich. Früher sei er motiviert gewesen. Heute würde er bloss noch für die Schublade produzieren. Er glaube nämlich nicht, dass weitere Neukompositionen von ihm gefragt seien. Für ihn gehöre die „Ära Rüedi-Rüegsegger“ der Vergangenheit an. Ohne Wehmut bekennt er deshalb: „Es ist immer noch das Beste, aufzuhören, wenn es am schönsten ist.“ (Red.: Hans Rüeggsegger, geb. 4. Juli 1921, starb am 25. März 1988 im 67. Altersjahr). Kartin Hasler im Juli 1982 Aus Buch „75 Jahre EJV 1985“, ergänzt, Stand 10.4.07 TA

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