Emil Herzog
Daten
*15.12.1905 Bönigen BE, +27.11.1981Biografie
Dort, wo sich die Lütschine in den Brienzersee ergiesst, dort, wo der See und die steilen Hänge der „Schynige-Platte“ das Bödeli abgrenzen, dort stand im Jahre 1905 die Wiege von Emil Herzog. In seinem Heimatort Bönigen BE hat er das Licht der Welt erblickt, wo er als Zweitjüngster einer elfköpfigen Familie aufwuchs. Sein Vater starb, als Emil erst 16 Jahre alt war. Schon als kleiner Bub wusste er, was Arbeit ist. Er durchlief die Schulen von Bönigen als sehr guter Schüler. Nach zwei Jahren Aufenthalt im Welschland ging er in Interlaken in einem Notariatsbüro in die Lehre und schloss diese erfolgreich ab. 1928 meldete er sich in Unterseen, wo der Posten eines Gemeindeschreibers besetzt werden musste und wurde aus einer grossen Anzahl Bewerber trotz seines jugendlichen Alters definitiv gewählt. 1942, während seiner Aktivdienstzeit, meldete er sich in Köniz als Gemeindeschreiber und übte diesen Beruf bis 1956 aus. Er verliess dann die Gemeindeschreiberei, um das neugeschaffene Amt des Zivilstandsbeamten zu übernehmen, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1970 innehielt. Neben diesem grossen Wirkungskreis fand Emil Herzog immer wieder Zeit, sich dem Jodelgesang zu widmen. Schon um das Jahr 1928 übernahm er die Leitung seines von ihm mitgegründeten Jodlerklubs Bönigen. In uneigennütziger Weise leitete er diesen Klub und brachte ihn schon damals zur vollen Blüte. Das Jodlerwesen, das ihm schon als kleiner Bub Freude bereitete, entfaltete sich dann in diesem Klub erst recht und drängte ihn auch, selber Jodellieder zu komponieren. Mit Hilfe einer ausgezeichneten, volkstümlich veranlagten Klavierlehrerin erwarb er die Kenntnisse und Grundbegriffe der Komposition. So verfasste er vorerst einen zweistimmigen Jodel mit vier Begleitstimmen, den „Wyssbrätt-Jodel“ (Wyssbrätt ist eine Stelle am Bönigberg), der am 2. bernisch-kantonalen Jodlertag 1929 im Kursaal Interlaken zur Uraufführung gelangte und sehr guten Anklang fand. Die ersten Jodellieder verfasste er im Jahre 1928, ohne sie von Fachleuten überprüfen zu lassen, darunter das Lied „Es Blüemli“, eines der schönsten und vielgesungenen Lieder. Diesen Liedern haben sich eine stattliche Zahl von 113 angeschlossen. Daneben hat es einige Kompositionen, die nie veröffentlicht wurden. Im Jahre 1946 wurde der erste schweizerische Jodelliederwettbewerb von der „AKV“ (Schweiz. Gesellschaft volkstümlicher Autoren, Komponisten und Verleger) Bern durchgeführt. 1948 wurde der „Schönegg-Jodel“ im 1. Rang klassiert. Wenn auch Emil Herzog besonders am Anfang nicht mit der Hand eines Berufskomponisten arbeiten konnte, so wurden doch schon früh seine Jodelmelodien von tatsächlichen Kennern der Jodlersache immer hervorgehoben. So hat z.B. der volkstümliche Komponist und Eidg. Kampfrichter A.L.Gassmann persönlich erklärt, dass man in Emil Herzog wieder ein Komponist gefunden habe, dessen Melodien und Jodel aufhorchen lassen. Seine meistgesungenen Lieder sind: „Es Blüemli“, „Wenn d’Matte grüene“, „Bim Vernachte“, „Bärgfahrt“ und „Bärgblueme“. Aber auch Kompositionen wie „Schönegg-Jodel“, „Waldegg-Jodel“, „Alphornjutz“, „Iseltwalderlied“, „Hans und Eisi“ und sein wahrscheinlich schönstes Jodellied „Wenn ds Alphorn tönt“ seien erwähnt. Er war etwa 30 Jahre Sekretär der „AKV“ und Vorstandmitglied der Suisa in Zürich. Sein einsatzvolles, umfangreiches Wirken im Dienste der Jodlersache trug ihm die wohlverdiente Ehrenmitgliedschaft des BKJV und des EJV ein. Emil Herzog hat sich aber nicht nur dem Komponieren hingegeben. Er leitete nebst dem schon erwähnten Jodlerklub Bönigen in späteren Jahren auch noch andere Klubs. Zwischen 1942 und 1970 dirigierte er die Jodlerklubs „Bärgbrünnli“ Wabern, „Bärner Mutze“ Bärn, „Bärgrösli“ Bern, „Heimelig“ Schwarzenburg, „Schneeglöggli“ Kallnach und Edelwyss Zofingen. Zudem war er im Jodlerklub „Berna“ Bern immer ein treuer Sängerkamerad. Im Weiteren gründete er das gemischte Jodelchörli „Bärgblueme“ Bern, das er ebenfalls viele Jahre leitete. All diese Klubs betreute er so, dass ihm selten ein freier Abend blieb. Trotz der grossen Beanspruchung fand er aber immer wieder Zeit, vor Jodlerfesten anderen Klubs, die ihn anfragten, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sich die Lieder anzuhören und die Klubs mit fachmännischer Beratung zu unterstützen. Sein Fachwissen wurde aber nicht nur von Jodlerklubs sehr hoch geschätzt. Jahrelang fehlte Emil Herzog kaum an einem Jodlerfest als Kampfrichter. Seine Liebe zum Volkstümlichen und zur Heimat und seine Urwüchsigkeit äusserte sich aber nicht nur in seinen Kompositionen. Er brachte seine Berge und Blumen auch in sein Heim. Wer jemals Gelegenheit hatte, sein Heim zu betreten, fand dort an den Wänden die selbstgemalten Oelbilder. Er hat schon zu der Zeit, als er von Bönigen wegzog, begonnen, seine engere Heimat auf Leinwand zu bannen. In den Zeiten, als Emil Herzog noch berufstätig war, brachte ihm die Oelmalerei oft eine willkommene Abwechslung, wo er sich auch richtig entspannen konnte. Wer nun aber glaubt, dass durch all seine Tätigkeiten die Familie zu kurz kam, hat sich schwer getäuscht. Emil Herzog war ein bewundernswerter Ehemann und Vater. Er hat mit seiner Frau Alice eine wunderbare, glückliche Ehe geführt. Eine Partnerschaft, wie sie sehr, sehr selten zu finden ist. In ihr hat er für sein ganzes Wirken immer wieder neuen Ansporn, neue Kraft und volle Unterstützung gefunden. Keines seiner drei Kinder, Ueli, Peter und Vreni hatten je das Gefühl, vernachlässigt worden zu sein. Er war für sie immer ein liebvoller, verständnisvoller, guter Vater. Die Familie stand für ihn trotz dem grossen Engagement immer im Vordergrund. Durch seine Liebe und durch sein volkstümliches Lebenswerk wird Emil Herzog in den Herzen vieler Jodlerinnen und Jodler immer weiterleben. Quelle: Sohn Ueli Herzog, „Bärgblueme“ AKV 2/1967, Buch „75 Jahre EJV“, Stand 30.7.07, TAObjekte